Krisen meistern – so soll es gelingen

29.01.2024 | Presse

Seit Anfang 2023 existiert das Resilienzzentrum Ostalb, das eine bundesweite Blaupause werden soll. Wie weit ist die Sache gediehen und was sind die künftigen Pläne? Wir haben nachgefragt.

Resilienz – übersetzt bedeutet das „Widerstandsfähigkeit“. Bezogen auf den Menschen beschreibt Resilienz die Fähigkeit von Personen oder Gemeinschaften, schwierige Lebenssituationen, Krisen oder Katastrophen, ohne dauerhafte Beeinträchtigung zu überstehen.

Weil die Krisen mehr werden und der Staat zunehmend an seine Grenzen stößt, will er die Bevölkerung dazu befähigen, mehr Eigeninitiative und Widerstandsfähigkeit zu erlangen. Ein Weg hierzu ist ein bundesweites Pilotprojekt – das Resilienzzentrum Ostalb.

Finanzielle Förderung:
Als eine von elf Regionen in Deutschland erhält der Ostalbkreis im Zeitraum vom 1. Dezember 2022 bis zum 30. September 2025 insgesamt rund 700000 Euro Zuschüsse für den modellhaften Aufbau eines Resilienzzentrums. Knapp 70000 Euro legt der Kreis noch oben drauf.

Zweck des Resilienzzentrums:
Für die Bevölkerung sollen Informations- und Bildungsangebote geschaffen werden, damit sich diese besser auf Krisen und krisenhafte Ereignisse vorbereiten kann und resilienter wird.

In der Kreisverwaltung wird zudem ein Risikodialog aufgebaut und die Vernetzung verschiedenster Akteure entwickelt. „Wir geben Menschen Tipps, wie sie sich selbst schützen können und was sie tun können, um zum Beispiel die Folgen eines Hochwassers zu vermindern oder gar zu vermeiden. Oder, wie sie sich am besten selbst helfen können, wenn der Strom länger ausfällt. Auch gesundheitliche Themen, wie Schutz vor Pandemien oder Hilfeleistungen bei medizinischen Notfällen, stehen auf der Agenda“, fasst es die Leiterin des Zentrums, Petra Weber, zusammen.

Menschen sollen wissen, wer Ansprechpartner für ihre Fragen der Vorsorge ist. Da sich nicht jeder selbst aktiv erkundige, soll diese Informationen in das Umfeld der Menschen gebracht werden, zum Beispiel in Vereine, in die Städte und Gemeinden oder sonstige Gemeinschaften.

„Wir werden in geplanten Themenmonaten immer aktuelle Themen ansprechen und Informationen bieten, wie zum Beispiel über Hitze und UV-Strahlung im Sommer, Tipps im Advent zum Umgang mit Kerzen oder auch Angebote zum Schutz vor Starkregen und Hochwasser“, sagt Petra Weber.

Zielgruppe:
Das Angebot richtet sich an alle Menschen im Ostalbkreis, auch an Kinder. „Kinder können lernen, dass sie Veränderungen nicht hilflos ausgeliefert sind, sondern aktiv agieren können. Mit Bildungsangeboten und Aktionen für Kinder und Jugendliche binden wir künftige Generationen ein“, sagt Petra Weber.

Dienstsitz:
Das Resilienzzentrum Ostalb residiert in Schwäbisch Gmünd, Oberbettringer Str. 166. In der Kreis-Verwaltungsstruktur ist es im Geschäftsbereich Brand- und Katastrophenschutz angesiedelt, den Dezernent Thomas Wagenblast verantwortet.

Personalausstattung:
Leiterin ist Petra Weber. Sie ist auch Chefin der InVo Notfall- und Katastrophenvorsorge GmbH in Gmünd. Koordinatorin des Zentrums Ostalb ist Sabrina Günther mit einer 60-Prozent-Stelle. Sie arbeitet bei der Kreisverwaltung im Bereich Brand- und Katastrophenschutz. Unterstützung kommt von Werkstudierenden, Praktikantinnen und Praktikanten sowie – bei Bedarf – von weiteren Mitarbeitenden aus den Kreis-Bereichen Gesundheit und Brand- und Katastrophenschutz sowie dem Regionalverband.

Hier landete das Geld:
Bislang wurde Geld ausgegeben für Personalkosten, für die Einrichtung der Geschäftsstelle, Hochschulen wurden mit der begleitenden Forschung und der Entwicklung von Bildungsmaßnahmen, Infoangeboten und Veranstaltungen zur Sensibilisierung der Bevölkerung beauftragt. Dem Regionalverband wurden Risikoanalysen und die Projektbegleitung vergütet. Weiter wurden ein Messestand und Materialien für Öffentlichkeitsarbeit gekauft und eine Medienagentur für die Erstellung einer Webseite und die Grafikbegleitung bezahlt.

Was bisher erreicht wurde:
Im ersten Jahr sei die Schaffung von Grundlagen elementar gewesen, verweist Weber unter anderem auf die Einrichtung der Geschäftsstelle, die Entwicklung von Konzepten, den Beginn erster Studien und Untersuchungen oder auf die Vernetzung mit wichtigen Partnern im Projekt.

„Unsere Aufgabe ist es auch, zu prüfen, welche Risiken für die Bevölkerung genauer betrachtet werden sollten, welche Bevölkerungsgruppen besondere Unterstützung benötigen und wie erreicht werden kann, dass auch bisher vorliegende Info zu Eigenvorsorge und Selbsthilfe in Krisen und Katastrophen die Menschen auch tatsächlich erreichen“, sagt Weber.

Es gebe aber kein Gießkannenprinzip, sondern einen zielgerichteten Einsatz der Ressourcen mit Überprüfung der Wirksamkeit und Steuerung.

Risikoermittlung:
Durch regionale Risikoanalysen wurde und werde mit dem Regionalverband ermittelt, welche Risiken im Ostalbkreis vorliegen und ob es HotSpots gibt, also Bereiche, die von mehreren Risiken betroffen sein können. Dies offenbare, wo besondere Bedarfe sind und wo genau hingesehen werden müsse.

Gmünder Südstadt-Modell:
Im Herbst 2023 begann die Pädagogische Hochschule gemeinsam mit Menschen der Gmünder Südstadt zu erforschen, welchen Bedarf die Menschen dort in Notsituationen haben, um daraus geeignete Maßnahmen für den gesamten Kreis entwickeln zu können. „Diese Untersuchung wird Ende des ersten Quartals abgeschlossen sein“, sagt Weber.

PH ist mit im Boot:
Das Resilienzzentrum begleite aktuell die Entwicklung von Info- und Bildungsangeboten, die PH-Studierende in Praxisprojekten erarbeiten. Geeignete Projekte würden später vom Resilienzzentrum weiterentwickelt, so Weber.

Resilienzberater:
Die Entwicklung für die Resilienzberaterausbildung sei 2023 gestartet worden und soll 2024 abgeschlossen werden. Resilienzberater sollen in ihrem persönlichen Umfeld (Verein, Gemeinde oder bei sonstigen Aktivitäten) Wissen um Eigenvorsorge und Selbsthilfefähigkeit weitervermitteln.

Öffentlichkeitsarbeit und Aktionen:
Das Resilienzzentrum Ostalb hat die Öffentlichkeit gesucht, beispielsweise beim Bürgerfest im Landratsamt, beim Blaulichttag oder der Südstadthocketse in Gmünd.

Zudem wurden erste Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Schulen gesammelt, wie die Aktion zum Warntag im September mit dem Ernst-Abbe Gymnasium in Oberkochen. „Aus jeder Aktion sammeln wir Erfahrungen, um daraus Aktionen für den gesamten Ostalbkreis zu entwickeln“, sagt Petra Weber.

Auch 2024 bleibe die Präsenz auf Veranstaltungen wichtig, um den Menschen eine Anlaufstelle zu bieten. Hier laufe die Planung auf Hochtouren, erste Anfragen von Gemeinden lägen vor. Im Frühjahr sei eine große Infoveranstaltung mit vielen Angeboten und Mitmachformaten für alle Menschen im Kreis geplant.

Beteiligung:
2024 solle die Entwicklung und Umsetzung von Projekten intensiviert werden – beispielsweise von Beteiligungsformaten. „Wir möchten noch mehr erfahren, was Menschen im Kreis brauchen und gemeinsam mit ihnen Maßnahmen entwickeln. Hier arbeiten wir eng mit der Hochschule Aalen zusammen“, sagt Weber.

Pläne für 2024:
Das Thema Katastrophenschutz an Schulen rücke in den Fokus, weil die Landesregierung es fix in den Lehrplan schreiben wolle. „Wir möchten jetzt schon mit Bildungseinrichtungen prüfen, wie wir das Thema im Kreis früh verankern können. Belange von Menschen mit Behinderung sollen im Prozess mitgedacht werden“, so Weber.

Besonders die Themen Notfalltreffpunkte, Leuchttürme und Verhalten in Notfällen sollen im Landkreis in das Bewusstsein der Bevölkerung gerückt werden.

Ende des ersten Quartals 2024 soll dann die eigene Internetseite am Start sein.

Zeitung: Schwäbische Post

Von Martin Simon